Indre Troms: Berge in Nordnorwegen
Abisko ist der trockenste Ort Schwedens. Als ich loslaufe, regnet es. Der Rucksack ist viel zu schwer, ich trage Verpflegung für 7 Tage und habe wahrscheinlich zu viel eingekauft. Das Loslaufen fällt mir schwer. Zudem endet der relativ einfache Weg am See entlang nach einigen Kilometern, dann wird es steinig und schlammig. Zu allem Überfluss geht es immer wieder 50 m steil bergauf, um dann wieder 50 m steil bergab zu gehen. Ich fluche innerlich, aber es hilft nichts. Am liebsten würde ich hier und jetzt das Zelt aufbauen und Feierabend machen, aber in diesem Gelände gibt es keine Zeltplätze. So erreiche ich schließlich doch noch die Lappjordhytta.
Unerwartet überrascht mich dort ein kleines Paradies: Die Hütte hat eine wunderbare Aussicht über den See. und ich treffe dort ein sehr nettes Paar aus Tromsø. Es wird ein unterhaltsamer und interessanter Abend, ich höre von verschiedenen Akten des Trockenfisches und wir unterhalten uns über Wanderungen, die wir schon gelaufen sind. Es sind diese Abende, die das Hüttenleben so schön und bereichernd machen!
Auf dieser Etappe werde ich relativ oft in Hütten übernachten. Zum einen ist es schon ein großer Genuss, wenn abends ein Ofen angefeuert wird und die Socken etwas trocknen, gerade bei diesem Regenwetter. Zum anderen ist dies die letzte Etappe, wo die Hütten wie an einer Schnur aufgereiht liegen, weiter oben im Norden gibt es nur noch sehr wenige. Und schließlich hoffe ich abends Gesprächspartner zu haben, die Wanderung durch die Finnmark wird dann schon noch einsam genug.
Die nächsten Tage sind etwas einfacher, denn nun bin ich oben in den Bergen endlich wieder oberhalb der Waldgrenze. Ich liebe die Weite, die Ausblicke und das Endlose der Landschaft. Das Wetter bessert sich etwas, wenn es regnet, dann regnet es leicht und nicht durchgehend. Regenjacke und Regenhose halten mich zwar nicht ganz trocken, aber gut warm. Das ist viel wichtiger.
Auf den nächsten Etappen teile ich abends die Hütten mit zwei netten Schwedinnen, die die gleiche Route laufen. Sie laufen das "Gröna Band", eine Langstrecke durch Schweden die am Dreiländereck endet - sie sind schon voller Freude und voller Stolz eine Wanderung von über 1300km demnächst geschafft zu haben. Es sind schöne gemeinsame Abende!
In der Dærtahytta treffe ich auf einen jungen Norweger, der eine Woche lang allein ohne Wege durch die Berglandschaft gewandert ist und nun die letzte Nacht seiner Tour in einer Hütte genießt. Er kennt die Gegend wie seine Westentasche, er wohnt nicht weit von hier und ist so oft wie möglich im Fjell unterwegs. Ich lerne viel über das Angeln mit von ihm selbst gewickelten Fliegenimitaten. Am nächsten Tag ergibt es sich, dass wir zusammen wandern, er hat den gleichen Weg wie ich zur Rostahytta. Wenn auch ungewohnt, ist es schön, einmal eine Etappe nicht alleine zu wandern; seit den Tagen mit meiner Frau hatte ich das nicht mehr. Gemeinsam bewundern wir die mystische Berglandschaft im dichten Nebel. Selbst bei den kleinen Seen sieht man das jenseitige Ufer nicht: Im Nebel träumen sie ein Ozean zu sein.
Die nächsten Tage sind Bummeltage bei zunehmend schönem Wetter. Erst ab Sonntag habe ich das Quartier in Kilpisjärvi gebucht. Ungewohnt ist es: Seit Trondheim habe ich jeden Tag so viele Kilometer wie möglich zurückgelegt, war von morgens früh bis abends auf dem Weg. Jetzt kann ich das erste Mal Druck herausnehmen, zeitlich sollte es passen.
Schließlich erreiche ich Kilpisjärvi in Finnland. Am Weg in den langgestreckten Ort liegt ein Café, an dem ich nicht vorbeikomme. Und hier gibt es die besten süßen Teilchen der ganzen Tour!

Mühsame Wege von Abisko zur Lappjordhytta.


Lappjordhytta.



Endlich wieder oben.



Gemischtes Wetter, aber genussvolles Wandern.

Nebel.






Das Wetter wird so sonnig, dass ich den Kaffee morgens sogar vor der Hütte genießen kann: 13°C und windstill ist hier im Norden richtiger Sommer!

Die Treriksrøysa, hier ist das Nordende Schwedens. Einen Meilenstein habe ich erreicht!


In Finnland angekommen: Retkeilykeskus in Kilpisjärvi.


